Cover "Kein Platz für uns"

von Bruno Blume und Noëmi Sacher
ca. 448 S. |  Illustrationen von Dinah Wernli
erscheint am 21. März 2024
14,8 x 21 cm | Hardcover
kwasi verlag 2024 || 33 Fr. | 29 €
ab 15 Jahren bis 111
ISBN 978-3-906183-34-3

Autor:in und Illustratorin

Bruno Blume ist in der Schweiz aufgewachsen. Seit 2001 sind 28 Bücher von ihm erschienen, von denen viele ausgezeichnet und übersetzt wurden. Er hat fünf Kinder und lebt – nach einigen Jahren in Italien und Deutschland – in Luzern.

Noëmi Sacher, 1980 in Schwyz geboren, studierte Germanistik, Volksliteratur und Kunstgeschichte in Zürich und schloss mit einer Arbeit über Bestsellerforschung am Beispiel von Dan Brown ab. Absolvierte dann die Schule für Angewandte Lingistik in Zürich. Sie schreibt historische Romane, Fantasy und Kindergeschichten und lebt mit ihrer Tochter in Arth und Luzern (Schweiz).

Dinah Wernli ist Schneiderin, Lehrerin und Illustratorin. Kein Platz für uns ist ihr erstes Buch. Sie lebt in Aarburg (Schweiz).

Rezensionen

„Die Sprache hat einen fantastischen Rhythmus, zieht mich in den Bann und begleitet mich. Die Geschichte springt mich immer mal wieder an und ich ertappe mich dabei, dass ich mich frage, wie es wohl weitergeht.“ Dr. Patricia Scheurer

Neurodiversität

Kein Platz für uns

Beschreibung

1806: Der Goldauer Bergsturz zerstört vier Dörfer, 457 Menschen sterben, und viele Gewissheiten gehen verloren. Flora ist gerade erst duch Heirat von der Magd zur Hausherrin in Goldau aufgestiegen und wird durch den Bergsturz siebzehnjährig zur Witwe. Die gleichaltrige Elisabeth, ihre vormalige Herrin verliert durch den Bergsturz Familie, Haus und Vermögen. Nun nimmt Flora sie bei sich auf und es entflammt eine innige Leidenschaft, die unter den notleidenden Menschen heftige Ablehnung hervorruft.
Ein sozialhistorischer Roman über Macht und Ohnmacht, Ordnung und Unterordnung, Liebe und Wut, Heimat und Entwurzelung.

Leseprobe

Elisabeth

Wahrscheinlich sollte ich weinen.
Die alten Vetteln werfen mir böse Blicke zu, vor allem die Harmettlerin. Die schaut so missbilligend, dass ganze Furchen ihr Gesicht entstellen. Soll sie doch.
Wahrscheinlich wäre es normal, am Grab der eigenen Mutter zu weinen, aber ich habe keine Tränen. Auch keine Trauer.
In mir ist es leer.
Leere, während der Pfarrer den Segen spricht. Leere, während mein Vater aufheulend wie ein Wolf zusammensinkt. Leere, während ich dem Sarg zuschaue, der sich langsam ins Grab senkt.
Ich sehe nur die Blumen, die zitternd mit in die Tiefe rutschen. Und das einzige Gefühl ist ein leises Bedauern, dass sie jetzt gleich mit Erde bedeckt werden, obwohl sie niemandem etwas getan haben.
Und dann Wut. Sie kocht langsam hoch, erst heimlich im Bauch und dann rauscht sie mit Wucht durch meine Brust. Die Wut ist mir vertraut und willkommen. Wut auf die ganze Welt und auf Gott! Der immer nur so tut, als ob er gerecht wäre. Wut auf die Vetteln, die hier stehen und Trauer heucheln, obwohl sie meine Mutter gehasst haben. Wut auf meinen Vater, der ein jämmerliches Bild abgibt.
Ich weiss jetzt schon, dass sie über ihn lachen und sich über mich das Maul zerreißen werden. »Wie er sich gehen lässt«, werden sie über ihn sagen, »kein Rückgrat, keine Disziplin.« Und über mich: »Kalt wie Schnee«, und: »An der kannst du im Hochsommer das Bier kühlen.« Und das schlimmste: »Genau wie die Mutter.«

Illustrationen