Buchcover von "Superma"
Kinderbuch

von Bruno Blume
256 S. | Bleistiftzeichnungen von Andrea Artemis Stergiou
Cover von Hannah Sanguinetti

14,8 x 21 cm | Hardcover
kwasi verlag 2023 || 25 Fr. | 23 €
ab 10 Jahren
ISBN 978-3906183-35-0

Autor und Illustratorin

Bruno Blume ist in der Schweiz aufgewachsen. Seit 2001 sind 28 Bücher von ihm erschienen, von denen viele ausgezeichnet und übersetzt wurden. Er hat fünf Kinder und lebt – nach einigen Jahren in Italien und Deutschland – in Luzern.

Andrea Artemis Stergiou ist 2013 in Zürich geboren. Während der Corona-Pandemie begann sie, Cartoon-Ponys zu zeichnen und Geschichten um sie herum zu erfinden. Seither zeichnet sie sich gern ihre eigenen Welten. Andrea interessiert sich für Geschichte und schaut sich gerne geografische Karten und weit entfernte Orte auf unserem
Planeten an. Sie lebt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Brunder in der Nähe von Zürich.

Hier geht es zum Interview mit der Illustratorin.

Rezensionen

„Dem Autor, selbst im Spektrum, gelingt es, nicht in Klischees zu verfallen, sondern im Gegenteil mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen, die das autistische Erleben im Speziellen und die Gefühlswelt im Allgemeinen betreffen. Gerade dadurch erhält die Geschichte unglaubliche Spannungsmomente … und ein nüchterner … Humor.“ Alexia Panagiotidis, eselsohr

Pipes Geschichte schildert Bruno Blume sehr authentisch und emotional berührend. Auf jeder Seite hält er mir einen Spiegel vor Augen, weil meine Geschichte ähnlich schwierig verlaufen ist und mir Pipe einfach sehr leid tut. Ich fühle mich durch Bruno Blumes klare und feinfühlige Sprache beschützerisch begleitet.“ Simone Tuena-Küpfer

Neurodiversität

SUPERMA erzählt auf witzige und einfühlsame Art die Geschichte eines Autisten – des elfjährigen Pipe. Das Buch will dabei nicht die ‚Störung‘ und die Schwächen des Jungen erklären, sondern seine Wahrnehmung erlebbar machen.

»Pipe ist ein sensibler Junge, der sich allein im Zimmer am wohlsten fühlt. Er liebt es, über seine Fragen und Entdeckungen nachzudenken und alles in seinen Forschungstagebüchern festzuhalten. Auch alles, was ihn an seiner kleinen Schwester stört, trägt er dort gewissenhaft ein. Die Menschen findet er allgemein eher verwirrend, auch weil sie merkwürdigerweise (und ganz anders als er) wenig Wert auf Loyalität, Regeln, Ehrlichkeit und das Weltall legen …
Da die Geschichte ganz aus Pipes Innensicht geschrieben ist, gibt uns das die Möglichkeit, sein Handeln und Verhalten als Folge seiner anderen Wahrnehmung und seinen intensiven Gedanken zu verstehen. Gleichzeitig können wir herzlich lachen über die Diskrepanzen, die durch sein Anders-Sein und Anders-Verstehen verursacht werden.«

Aus dem Nachwort für Eltern und Lehrpersonen von Matthias Huber, selbst Autist und Psychologe im Fachbereich Autismus an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie KJP UPD AG Bern.

 

»Betroffene erkennen durch dieses Buch, dass sie nicht alleine sind auf dieser Welt und ihren Platz finden werden. Ebenso wird ihnen durch die Geschichte von Pipe vermittelt, dass es ok ist, dass sie anders wahrnehmen, fühlen, denken und handeln.« Simone Tuena-Küpfer, Autismus-Beraterin

SUPERMA

Beschreibung

Der elfjährige Pipe hat zwei turbulente Wochen vor sich – dabei ist ihm Abwechslung ein Graus. Er liebt es, wenn die Tage immer gleich ablaufen und Gurke ihn möglichst in
Ruhe lässt. Doch jetzt mischt sich Sofie in sein Leben ein und behauptet, neu Sofia zu heißen. Milan, der viel älter und dick wie eine Robbe ist, findet, sie seien Kumpel. Und
Pipes Mutter, die sich schon lange so peinlich benimmt, dreht nun völlig durch und rennt als angebliche Superheldin durch die Stadt: Sie will Pipes geklautes Fahrrad
finden und nebenbei auch noch die Welt retten. Und natürlich findet Pipes Klasse doch noch raus, was sein Name auf Deutsch bedeutet.
Pipe wünscht sich auch einen neuen Namen, vor allem aber wünscht er sich auf den Mond, denn dort ist es immer still und alles bleibt gleich. Wie wunderbar!

Leseprobe

Pipe macht am liebsten immer alles gleich. Auf die gleiche Art und zur gleichen Zeit. Darum fährt er jeden Morgen genau um halb acht mit dem Fahrrad los zum Baumarkt. Der ist um diese Zeit noch geschlossen, trotzdem stehen immer einige Fahrräder im Ständer hinter der Garten­abteilung. So früh am Morgen kommt nie jemand vorbei, und auch sonst verirrt sich kaum ein Mensch hierher. Ein Fahrrad steht schon seit immer an der genau gleichen Stelle. Pipe ist sich sicher, dass es da vergessen worden ist. Auch wenn er sich nicht vorstellen kann, wie jemand vergessen kann, dass sein Fahrrad beim Baumarkt steht. Er stellt seins immer auf den letzten Platz im Fahrradständer und sichert es mit dem Schloss.
(…)
Natürlich wäre es bequemer und schneller, wenn er sein Fahrrad bei der Schule abstellen würde. Aber das traut er sich nicht. Das Fahrrad haben seine Eltern gebraucht gekauft. Und das ist diesem Schrottteil anzusehen. Pipe ist das peinlich. Die anderen haben coole Bikes oder wenigstens richtige Fahrräder, die so teuer aussehen, wie sie waren. Seins kann er nicht vorzeigen, er würde garantiert ausgelacht werden. Dabei sind seine Eltern nicht etwa arm. Papa spielt Cello im Stadtorchester, Ma hat einen eigenen Frisier­salon. Nein, sie wollen ihm kein neues Fahrrad kaufen. Ma sagt: »Je mehr Neues es gibt, desto mehr Abfall gibt es auch.« Und Papa sagt: »Es ist ein solides Fahrrad. Das kannst du gut noch zwei Jahre fahren.«
Ausgerechnet in diesem Punkt sind sie sich einig! Sonst streiten sie über alles. Heute früh hat der Streit damit angefangen, dass Ma im Bademantel in die Küche gestapft kam und sich bei Papa beschwerte, dass er wieder nicht Wäsche gewaschen hat.
Papa sagte: »Ich wasche heute Nachmittag.«
Und Ma sagte: »Ach, und bis dahin geh ich nackt arbeiten?«
Pipe verschluckte sich an seinem Müsli.
Sara kicherte nur dämlich.
Sara ist seine kleine Schwester. Sie ist erst neun Jahre alt, hat nicht alle Tassen im Schrank und ist eins von Pipes größeren Problemen. Pipe braucht überhaupt keine Schwester. Dass er von allen möglichen Schwestern ausgerechnet Sara abbekommen hat, gehört zu den Dingen, für die er kein Verständnis aufbringt.

Illustrationen