Buchcover "Robin Ruhelos"
Kinderbuch
von Noa Smultron
184 S. | 23
 sw-llustrationen von Susanne Göhlich
1. Band der Reihe InsBesondere Kinder 2
14,8 x 21 cm | Hardcover
kwasi verlag 2026
22 Fr. | 22 € || ab 9 Jahren
ISBN 978-3-906183-45-9
AutorIn und Illustratorin

Susanne Göhlich gehört zu den erfolgreichsten Künstlerinnen Deutschlands und hat unzählige Kinderbücher mit ihren fröhlichen Zeichnungen aufgewertet. Sie arbeitet für verschiedene Magazine und schreibt auch selbst Geschichten. Studiert hat sie Kunst­geschichte, das Zeichnen hat sie sich selbst beigebracht. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

Noa Smultron lebt im schwedischen Åboholm, zwischen Wald und Seen. Sie ist selbst neurodivergent. 

Rezensionen
Neurodiversität

Leander hat es nicht leicht und zwar vor allem deshalb nicht, weil er besonders klug ist. Seine Intelligenz und sein Ideenreichtum haben es ihm ermöglicht, seine größte Schwäche zu verbergen. Sein Hirn funktioniert anders als das der meisten Menschen, es tut sich schwer damit, einzelne Silben auseinanderzuhalten. Leander hat LRS. Dass Kinder das bis zur vierten Grundschulklasse verbergen können, kommt tatsächlich vor. Viele solche Kinder bewegen sich auch im Spektrum der Neurodiversität. Ein Zusammenhang zwischen LRS, Hochbegabung, Autismus oder ADHS kann häufig diagnostiziert werden.

Mit einem Nachwort zu LRS von Dr. Petra Küspert

 

Leander hat ein Geheimnis

Beschreibung

Ausflug zum Schokoladenmuseum! Der Tag fängt richtig gut an. Schließlich gibt es nichts Besseres, als Schokolade bis zum Umfallen! Doch das geht richtig schief. Und jetzt ist die ganze Klasse sauer auf Leander, Rabea und Leo. Obwohl Leander die besten Ausreden erfindet. Das ist unfair, schließlich war es einfach Pech. Genau wie das mit dem ferngesteuerten Subaru, den Leander heimlich bestellt hat. Aber immerhin kennt niemand Leanders größtes Ge­heimnis. Wenn das ans Licht käme – dann würde er garantiert von der Schule fliegen!
Als es plötzlich um Leben und Tod geht, muss Leander sich entscheiden.

Leseprobe

Wo müssen wir eigentlich aussteigen?« Hat Frau Kempf nicht zwei Stationen gesagt?
»Verdammt! Die anderen sind schon draußen!«, quiekt Leo er-
schrocken.
Tatsächlich! Auf dem Bahnsteig stehen Ajay und Dorian, daneben Adrian und Mikka und Frau Kempf, die gerade die Kinder durchzählt. Der Zug fährt wieder an.
Mit drei Sätzen bin ich an der Tür und rüttle am Griff. Zu spät! Die blöde Tür bleibt zu, der Bahnsteig zieht immer schneller vorbei. Schon ist die Klasse aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich drehe mich um und starre die anderen an.
Leo ist kreideweiß im Gesicht. »Wir haben keine Fahrausweise!«
»Als ob das unser größtes Problem wäre«, stöhnt Rabea. »Was machen wir denn jetzt?«
»Wir halten den Zug an!«, sage ich. Das ist doch klar.
»Wie denn?«, fragt Rabea.
»Da, mit der Notbremse.« Ich deute hoch zu dem roten Griff.
»Das ist verboten!«, widerspricht Leo sofort.
»Die ist gesichert«, sagt Rabea. »Seht ihr? Da ist ein Draht drum.«
»Missbrauch wird bestraft«, sagt Leo.
»Bestimmt hätten wir nicht mal genug Kraft, um die zu ziehen.« Rabea langt nach dem Griff und grinst.
In diesem Moment geht der Zug in eine Kurve. Rabea verliert das Gleichgewicht und krallt sich am Griff fest. Die Bremsen kreischen. Ich werde voll gegen die Wand gedrückt, und die beiden drückt’s gegen mich. In den Wagen links und rechts schreien die Menschen durcheinander, es rumpelt, und Gepäck knallt auf den Boden. Dann hört das Kreischen auf. Der Zug steht still.
Ich rapple mich auf und checke die Lage. Die Aufregung ist groß, aber niemand hat gemerkt, dass wir das waren. Nur wird das nicht lange so bleiben. Mein Blick fliegt zur Tür. Da sind Piktogramme, wie sie im Notfall zu öffnen ist. Hebel runter, drücken, schieben. Es geht schwerer als gedacht, aber die Tür geht auf. »Los, los!«, ruf ich den anderen zu und springe aus dem Zug ins Gras.
»Ich springe nicht!«, ruft Leo.
Ich will ihr zurufen, dass sie sich nicht so anstellen soll, aber da kommt sie schon auf mich zugeflogen! Ich rolle blitzschnell zur Seite, als sie auch schon mit dem Gesicht nach unten aufklatscht. Rabea springt hinterher und kann sich – ganz untypisch – auf den Füßen halten. Ich will ihr gratulieren, da schallt eine Stimme zu uns herüber, und die klingt alles andere als erfreut: »He, ihr! Stehenbleiben!«
Ganz vorne am Zug steht jemand und winkt. Das ist bestimmt der dicke Schaffner. Ob er sich an uns erinnert? Er ist vier Wagenlängen von uns entfernt.
»Der kriegt uns nicht! Los, kommt!«, ruft Rabea. Checkt die Umge­bung und deutet auf ein paar Büsche. »Wir verstecken uns dort!«
Mein ganzer Körper prickelt vor Abenteuer. Ich stelle mich hin wie ein Cowboy und fordere den Schaffner zum Duell. Gleich werden wir beide die Waffe ziehen und …
»Was machst du?«, ruft Rabea. »Hilf mir lieber!«
Leo liegt noch immer auf dem Boden. Rasch ziehen wir sie an beiden Armen hoch.
»Halt! Das ist verboten!«, ruft der Schaffner.
»Los jetzt!«, feuere ich meine Komplizinnen an.

Illustrationen

                     

Reihe

Die Reihe »insBesondere Kinder« legt den Fokus auf Kinder mit unsichtbaren Beeinträchtigungen, die fast nur Eigenheiten, Schrullen, besondere Angewohnheiten zu sein scheinen. Dennoch ist es nichts, was die Kinder einfach so ablegen könnten. Thematisiert werden bisher LRS, Zwangsstörungen, Hochsensibilität, ADHS und Autismus. Damit leistet die Reihe einen wichtigen Beitrag zu den Themen Neurodiversität und Inklusion.

 

 

In der Reihe inBesondere Kinder für die Mittelstufe bisher erschienen:

 

 

In der Reihe insBesondere Kinder bisher erschienen für die Unterstufe:

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